Der Kakao bei den Spaniern

Die Spanier waren zunächst überhaupt nicht angetan von dem „Bitterwasser". Erst mit der Beimischung von Gewürzen wie Anis, Zimt und Rohrzucker, wurde Schokolade als Modegetränk beim spanischen Adel salonfähig. Man trank die süße Schokolade nun heiß wie die, schlug sie aber mit Milch anstatt Wasser auf. Besonders wegen seiner anregenden Wirkung erfreute sich der Kakao am spanischen Hof rasch großer Beliebtheit, denn Alkohol war verboten. Gerade in den zahlreichen Fastenzeiten bot die heiße Schokolade eine willkommene Abwechslung. Allerdings konnte man sich nicht darauf einigen, ob das ursprünglich heilige Getränk das Fasten breche oder nicht. Der römische Kardinal Banaccio untersuchte das moralische Dilemma und kam zum Schluss: „Liquidum non frangit jejunum“ - also ein Getränk, das fortan sorglos zu jeder Zeit getrunken werden durfte und sich in Spanien sogar zum Nationalgetränk entwickelte.

... bei den Franzosen

Erst ein Jahrhundert später nahm die Kakaobohne vom südlichen Europa aus ihren Weg über Portugal und Italien nach Frankreich. Für ihre Ausbreitung waren zum einen die Verbindungen zwischen den einzelnen Klöstern aber vor allem der Kontakt der europäischen Königshäusern untereinander entscheidend. So soll 1615 die Infantin Anna von Österreich die Schokolade als Gattin König Ludwigs XIII an den französischen Hof gebracht haben. Schnell teilte der Adel die Begeisterung der neuen Königin und eine der meist geschätzten Einladungen in Paris war dann die zur „Schokolade bei ihrer königlichen Hoheit“. Mit der Verbreitung änderte sich auch die Rezeptur der heißen Schokolade: Die Adeligen mischten z.B. intensive Duftstoffe wie Vanille, Jasmin, Limonen- oder Zitronenschalen hinzu. Und wegen dieser kostbaren Zutaten, der staatlichen Kontrolle des Vertriebes und den Zöllen blieb der Kakao in Europa weiterhin ein Getränk für die oberste Gesellschaftsschicht.

... bei den Engländern

Nicht so in England, wo die Schokolade 1650 auf die Insel kam. Viele kleine Händler vertreiben die teure Ware und machten sie für nahezu jedermann zugänglich. So etablierten sich Kaffeehäuser, in denen Tee und Kakao angeboten wurden. Aber natürlich war Schokolade darunter das teuerste Getränk. Allerdings hatte das zur Folge, dass die englischen Rezepte simpler wurden, denn Kakao war auch ohne weitere Gewürze schon kostspielig genug. So soll es auch ein Engländer gewesen sein, der 1726 Schokolade und Milch zum ersten mal kombinierte.

Und so sieht es heute aus

1728 verlor Spanien das Kakaomonopol und der Handel wurde von nun an von den Holländern kontrolliert. Über Amsterdam fand die Schokolade zusammen mit Kaffee und Tee den Weg nun auch in deutsche Kaffee- und Schokoladenstuben. Egal ob zum Frühstück oder zum Festmahl galt Kakao noch etwa 200 Jahre lang als Luxusgetränk der Oberschicht, was sich mit dem Niedergang der Aristokratie im 19. Jahrhundert änderte.

Noch bis zum Ende des 18. Jahrhunderts wurden die Bohnen wie bei den Mayas mit Handwalzen und Mörsern zerrieben und die Kakaomasse in Formen abgekühlt. Dieser bittere Schokoladenkuchen wurde auf italienischen Jahrmärkten zu extrem hohen Preisen angeboten. Aufgrund seines hohen Fettgehaltes war dieser allerdings unverdünnt nur schwer verdaulich. Mit der Erschließung neuer Anbaugebiete stieg die verfügbare Kakaomenge an. Die höheren Ernteerträge, die technischen Neuerungen während der Industrialisierung, der Wegfall von Steuern und der dadurch stetig fallende Kakaopreis ermöglichten den Wandel vom Luxusartikel zum Massengut für breitere Bevölkerungskreise. Heutzutage sind Schokoladenprodukte in schier unvorstellbaren Mengen jederzeit und zu jedem Preis erhältlich.