Von der Bohne bis zum Schokoriegel
Die maschinelle Fertigung begann 1789 mit der Anschaffung Dampfmaschine und vor der Erfindung von Espressomaschinen durch den englischen Schokoladenfabrikanten Joseph Storrs Fry. 1826 setzte der Schweizer Philippe Suchard den ersten Mixer zur Vermischung von Zucker und Kakaopulver ein, dem sogenannten Mélangeur. Zwei Jahre später fand der Holländer Coenraad Johannes van Houten eine Möglichkeit, der Kakaobohne den größten Teil ihres Öls, die Kakaobutter, zu entziehen. Durch die Behandlung mit Alkalisalzen wurde der Kakao zudem bekömmlicher, schmackhafter und das Pulver ließ sich besser mit Wasser vermischen.
Wieder war es die Firma J.S. Fry & Sons, die ein Verfahren entwickelte, Kakaopulver und Zucker mit geschmolzener Kakaobutter anstelle von Wasser zu vermischen. So entstand Schokolade, die nach dem Abkühlen weniger brüchig war. Die Erfindung der Eintafelanlage ermöglichte zudem, Schokoladentafeln von einheitlichem Gewicht herzustellen. Ein paar Jahre später produzierte J.S. Fry & Sons auch den ersten Schokoriegel, genannt „Cream Stick“.
Dies war der Beginn der industriellen Fertigung in großen Mengen.
Die Dringlichkeit der Qualitätskontrolle
Zeitgleich wurde die Frage nach der Qualitätskontrolle von Schokolade immer dringlicher. Zu Beginn war ihre Zusammensetzung noch mehr oder weniger beliebig. Aber in der zweiten Jahrhunderthälfte wurde festgelegt, was Schokolade im Einzelnen enthalten durfte. Denn wie die medizinische Fachzeitschrift 'The Lancet' aus England veröffentlichte, wurden in nicht weniger als 60% der getesteten Schokoladenproben teils giftige Zusätze gefunden, so z.B. Kakaobohnenschalen, Kartoffelstärke, Getreide-, Kastanien- oder Bohnenmehl, Sand, Kreide, Ziegelsteinpulver, Talk, Ziegenmehl, Mineralöl und Olivenöl aber auch Gips, Gummi oder sogar Eisenspäne. So kam es dazu, dass im Jahre 1860 das britische Lebensmittelgesetz und 12 Jahre danach das Lebensmittelverfälschungsgesetz in Kraft traten.
Von der Milchschokolade bis zur Conche
Im Jahre 1867 gelang es dem Schweizer Kindernahrungshersteller Henri Nestlé durch Erhitzen, frische Kuhmilch zu konservieren. Acht Jahre Später machte sich Daniel Peter dieses Konservierungsverfahren zunutze und vermischte die Kakaobohnen mit kondensierter Milch. Somit war die Milchschokolade erfunden.
1879 erfand der Berner Confiseur Rodolphe Lindt die „Conche“, was bis heute ein sehr wichtiger Schritt bei der Produktion war. Die Conche war in der Lage die Schokoladenmasse ausgiebiger als bisher zu walzen, damit so überschüssige Nässe verdampfen und unangenehme Duftkomponenten verfliegen konnten. Zudem mengte er dem zähen Teig noch mehr Kakaobutter hinzu. Das Ergebnis war eine seidig glänzende, geschmeidige Masse, die den Namen „Chocolat fondant" erhielt.
Schokolade bald kein Luxusgut mehr
Allerdings blieb Schokolade weiterhin ein Luxus für die Reichen, der nur zu besonderen Anlässen genossen wurde. Dennoch stieg der pro Kopf-Konsum in Deutschland von 380g Kakaobohnen im Jahr bis hin zu 2,5kg innerhalb von 80 Jahren. Deutschland stand somit an der Spitze der der Känder, die am meisten Kakao konsumierten. Und auch heute noch sind die Deutschen einer der führenden Kakaokonsumenten weltweit.
Der steigende Verbrauch hatte natürlich auch Auswirkungen auf den Preis. So kostete im Jahre 1912 eine Tafel Schokolade noch so viel wie 20 Brötchen. Ab 1964, also in der Nachkriegszeit, sank der Preis drastig und man konnte Schokolade teilweise zum Preis von 60 bis 70 Pfennige erwerben.